Was Sie über Heimarbeit wissen müssen – Vor- und Nachteile


Wissen Sie wie Google, Apple, Facebook und Co. mit dem Thema Heimarbeit umgehen? Einige Unternehmer, mit denen ich diese Unternehmen im Silicon Valley besucht habe, waren sehr überrascht über die Antwort. 

Denn viele Unternehmer und Führungskräfte fragen sich, wie Sie mit Heimarbeit bzw. Arbeiten aus dem Homeoffice umgehen sollen. Und was tut man als Unternehmer bzw. Personalverantwortlicher, wenn Mitarbeiter dies ganz aktiv einfordern?

Warum das Arbeiten in den eigenen vier Wänden immer beliebter wird

Heimarbeit, Home office, Telearbeit, Remote arbeiten usw. Es gibt viele unterschiedliche Begriffe und Formen die zeigen, dass das Arbeiten von zu Hause aus immer beliebter wird. Insbesondere alleinerziehende Frauen bringen dadurch Familie und Beruf besser in Einklang.

Mitarbeiter sparen viel Zeit und konzentrieren sich besser auf ihren Job. Insbesondere in Städten mit hohem Pendleraufkommen und viel Stau, ist das Homeoffice beliebt. Und es gibt genügend Menschen, die fest überzeugt sind: Wenn das Homeoffice richtig eingerichtet ist, sind Produktivität, Wohlbefinden und Arbeitsleistung höher.

Was gegen das Homeoffice spricht

Zuhause zu arbeiten klingt für viele Arbeitnehmer wie ein Traum. Wir aber haben festgestellt, dass manche Arbeitnehmer schnell den Austausch mit ihren Kollegen vermissen. Sie haben das Gefühl sich sozial zu isolieren und wichtige betriebsinterne Informationen entweder zeitverzögert oder gar nicht zu bekommen. Auch aus unternehmerischer Sicht dürfen Sie diesen Faktor nicht unterschätzen. Der „Flurfunk“, der Austausch unter Kollegen, vor Ort gemeinsam an Themen zu arbeiten usw. ist extrem wichtig für die Firma.

Haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf Heimarbeit?

Anders als bei der Teilzeitarbeit ist es im Gesetz nicht vorgesehen, den Beruf teilweise oder vollständig im Homeofffice ausüben zu lassen. Es bleibt also Ihren internen Regeln überlassen, wie Sie damit umgehen.

Variante 1:
Ein Fan unserer ABC-Personal-Strategie hat folgenden nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag gemacht: A-Mitarbeitern ermöglicht man die Heimarbeit, denn die bringen überall TOP-Leistung. B-Mitarbeiter müssen Präsenz zeigen. C-Mitarbeiter bleiben zu Hause, damit Sie keinen Schaden anrichten können. In der Praxis ist das so leider nicht durchzuführen. Daher ist wie immer mein Vorschlag: Tun Sie alles, um nur noch A-Mitarbeiter im Unternehmen zu haben. Hilfreiche Materialien dazu finden Sie in den Gratis-Downloads.

Variante 2:
Es gibt einfach auch heute noch Aufgaben, die sich nicht von zu Hause aus erledigen lassen. Aufgaben in der Produktion, am Empfang usw. Diese Mitarbeiter brauchen Sie vor Ort. Alle anderen dürfen auch nach festgelegten Regeln von zu aus arbeiten.

Variante 3:

Es gibt gewisse Kerntage, an denen Homeoffice nicht möglich ist, weil an diesen Tagen die Präsenz-Meetings stattfinden. Aber ein Homeoffice-Tag pro Woche z. B. am Freitag ist möglich. Hierfür bedarf es natürlich klarer Regeln, damit dies trotzdem ein Arbeitstag und kein Urlaubstag für ein verlängertes Wochenende ist. Mit dieser Variante können Sie dem Wunsch nach Homeoffice ein Stück weit entgegen kommen, ohne alle Nachteile in Kauf zu nehmen.

Welche Details müssen bei einer Heimarbeit schriftlich fixiert werden?

Wenn Sie mit der Heimarbeit einverstanden sind, besprechen Sie die Einzelheiten und halten sie auch folgendes vertraglich fest:

  • Arbeitszeiten und deren Nachweis
  • Kernarbeitszeiten im Home-Office
  • Anzahl der Arbeitstage im Home-Office
  • Erreichbarkeit für Vorgesetzte, Kollegen, etc.
  • Umsetzung von Zielvereinbarungen im Homeoffice
  • Zugang zum internen Firmennetzwerk, geschäftlichen E-Mails, Nutzung von Dienstlaptops zu Hause etc.

 

 



Heimarbeit - Home-office. Vater arbeitet von zu Hause aus.

Produktivität

Da Arbeitnehmer zuhause kein gewohntes Arbeitsumfeld  haben, müssen messbare Ziele vereinbart werden. Wie Sie sicher wissen, ist Zielvereinbarung in meinem Unternehmen das A und O.  Mehr Infos dazu finden Sie hier.

Welche Rechte und Pflichten gelten bei der Heimarbeit?

Auch bei Heimarbeitern sind gesetzliche Rechte und Rechte aus einem Tarifvertrag und Arbeitsvertrag einzuhalten. Diese umfassen die Art und Höhe der Entlohnung, Arbeitsschutz und Sozialleistungen. Weiterhin müssen Urlaubsgeld und Lohnfortzahlung bei Krankheit oder Unfall vertraglich festgehalten werden. Sie müssen dem Heimarbeitnehmer die Arbeitsverträge und Arbeitsordnungen schriftlich bekanntgeben.

Vertraulichkeitspflicht

Auch bei der Arbeit zuhause müssen sämtliche Geschäftsunterlagen vor Dritten geschützt sein. Daher haben z.B. keine Kundendaten offen auf dem Schreibtisch rumzuliegen.

Darf ich den Arbeitnehmer zuhause besuchen?

Aufgrund des Arbeitsschutzes ist es Ihre Aufgabe sicher zu stellen, dass dieser auch zu Hause gewährleistet ist und die Wohnung des Arbeitnehmers für das Home-Office geeignet ist. Sie sollten allerdings einen Besuch so gestalten, dass Ihre Verpflichtungen aus dem Arbeitsschutz mit der Privatsphäre des Arbeitnehmers in Einklang sind. Klären Sie also rechtlich, ob in Ihrem Fall wirklich eine Besichtigung vor Ort nötig ist. Falls ja, vereinbaren Sie mit dem Arbeitnehmer und gegeben falls seinen Familienangehörigen wie der Besuch abläuft und auf was er sich einstellen muss. Dazu gehört auch, mit welchem Vorlauf der Arbeitnehmer über einen Besuch informiert wird.

Mein genereller Tipp: Wenn Sie Ihr Unternehmen konsequent auf A-Mitarbeiter  ausrichten, dann brauchen Sie nur das gesetzliche Minimum an Kontrolle. A-Mitarbeiter brauchen keine Kontrolle, denn sie lieben es Ziele zu erreichen.

Welche Arbeitsmittel werden zur Verfügung gestellt?

Prinzipiell muss der Arbeitgeber dem Beschäftigten alle Arbeitsmittel zur Verfügung stellen. Dazu zählen insbesondere Büromöbel, Telefon, Computer, Laptop, Schreibutensilien. Manchmal ist der Arbeitnehmer bereits so gut zuhause ausgestattet ist, dass er keine weiteren Arbeitsmittel von Ihnen braucht. Die Realität zeigt aber, dass nicht alle Mitarbeiter zuhause eine vollständige Büroeinrichtung besitzen. Verwendet der Arbeitnehmer im Home-Office Geräte,  die dem Unternehmen gehören, dann sollte vertraglich festgehalten werden, ob eine private Nutzung mit dem entsprechenden Gerät erlaubt ist. Alle überlassenden Arbeitsmittel verweilen selbstverständlich im Eigentum Ihres Unternehmens.

Meine Erkenntnisse aus dem Silicon Valley

Laptop, Handy und ein guter Anbieter für Online-Konferenzen. Viel mehr brauchen Mitarbeiter heute nicht mehr um von zu Hause aus zu arbeiten. Die Unternehmen aus dem Silicon Valley wie Google, Apple, zoom (Online-Konferenzen) und viele weitere tun alles, damit wir mit ihren Tools weltweit und von zu Hause aus arbeiten können.

Als ich mit einigen Unternehmern im Silicon Valley war, haben wir es mit eigenen Augen gesehen: Genau dieses Unternehmen sind keine Einheit aus tausenden Mitarbeitern, die zu Hause sitzen. Ganz im Gegenteil: Für ihre eigenen Mitarbeiter tun diese Unternehmen alles, um diese auf dem eigenen Firmengelände zu halten. Denn diese Unternehmen wissen ganz genau, dass es viel effektiver ist, wenn die Mitarbeiter vor Ort sind und sich persönlich austauschen.

Unterschiedliche Restaurants und Cafés auf dem Firmengelände, Fitnessmöglichkeiten, Freizeitunterhaltungen (z.B. Tischkicker) und vieles mehr. Bei Google stand sogar ein mobiler Friseursalon auf dem Firmengelände. Und bei yelp wird mindestens eine Mitarbeiterparty pro Monat veranstaltet. All das hat nur ein Ziel: Den Wohlfühlfaktor der Mitarbeiter so erhöhen, dass diese gerne über die übliche Arbeitszeit hinaus vor Ort sind und sich mit Kollegen und Mitarbeitern austauschen und neue Ideen entwickeln.

Falls Sie mehr über die Erfolgsgeheimnisse dieser Unternehmen wissen wollen, empfehle ich Ihnen mein Buch „Das Geheimnis der Champions“. Die 25 Erfolgsfaktoren aus diesem Buch können Sie hier kostenfrei herunterladen.

Abschluss-Tipp: Heimarbeit in die Stellenanzeige aufnehmen

Bieten Sie eine Arbeit aus dem Home-Office an und befinden Sie sich gerade auf der Suche nach neuen Mitarbeitern, dann tun Sie folgendes:

Heben Sie in der Stellenanzeige hervor, in welcher Weise Sie auch die Arbeit vom Home-Office anbieten. Dies wird bei vielen Bewerbern sehr positiv angesehen.

Hilfreiche Materialien zur Umsetzung:

 


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31. Juli 2017 - Verfasst von Jörg Knoblauch

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