Eigenmächtige Urlaubsverlängerung – kaum zu glauben, aber wahr


Der deutsche Komponist, Johann Sebastian Bach (*1685 in Eisenach; †1750 in Leipzig) war seinerzeit bei der Gemeinde Arnstadt als Organist angestellt. Er hatte einen Jahresurlaub von insgesamt 28 Tagen zur Verfügung. Ende Oktober 1705 wurde Johann Sebastian Bach dann ein vierwöchiger Urlaub gewährt. Er machte sich auf zum berühmten Orgelmeister, Diedrich Buxtehude (offiziell wanderte er nach Lübeck für Studienzwecke). Die vier Wochen Urlaub waren um, doch in Arnstadt war kein Johann Sebastian Bach aufzufinden. Kaum zu glauben, aber erst nach vier Monaten, im Januar 1706, kehrte der junge Bach nach Arnstadt zurück. Er hatte sich auch bald wegen der eigenmächtigen Urlaubsüberschreitung vor dem Konsistorium zu verantworten. Was glauben Sie, was mit Johann Sebastian Bach damals passiert ist?

johann_sebastian_bachEr hatte während seiner Abwesenheit einen Vertreter bestellt, Johann Ernst Bach. Das Konsistorium hätte allen Grund gehabt, Bach rauszuwerfen. Doch es zögerte, denn gute Fachkräfte waren schon damals schwer zu bekommen. Es übte daher Nachsicht mit Bach. Das Konsistorium nahm sich diese Gelegenheit jedoch zum Anlass, sich über Bach zu beschweren.

Heute ist die Rechtslage so, dass man sich in Ausnahmefällen, wenn man einen wichtigen Grund für die Urlaubsverlängerung nennen kann, vor einem Rauswurf schützen kann.
Eine wirklich nette Geschichte, die zeigt, dass auch schon vor 300 Jahren eine eigenmächtige Urlaubsverlängerung nicht automatisch den Rausschmiss bedeutete.
Darf sich ein hochtalentierter Mitarbeiter alles leisten? Selbst vier Monate Extraurlaub?


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24. Februar 2011 - Verfasst von Jörg Knoblauch

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7 Antworten zu “Eigenmächtige Urlaubsverlängerung – kaum zu glauben, aber wahr”

  1. Eine soche Aktion hat negative konsequenzen für den Betrieb, sowie für die Arbeitskollegen. Ich kann mir ein solches Verhalten nicht vorstellen von einem A Mitarbeiter vorstellen.
    Erklären Sie mal einem B Mitarbeiter dass er den Urlaub nicht verlängern darf, A aber schon.
    ich würde es dulden, wenn vorangekündigt…

    Für einen kleinen Produktionsbetrieb mit 10 Mitarbeiter…

  2. 3 Monate eigenmächtigen Urlaub würde ich als Arbeitgeber nicht dulden und definitiv eine fristlose Entlassung in Abwesenheit aussprechen. Auf einer solchen Basis kann doch gar kein Unternehmen im heutigen Deutschland funktionieren. In anderen Ländern oder Zeitaltern mag das ja anders sein.

  3. Ein noch so talentierter, möglicherweise allseits geschätzter Mitarbeiter ist trotz seines „Ikonenstandes“ unbedingt von Seiten der Team/-Geschäftsleitung auf seine Pflicht hinzuweisen, sich an die sicherlich vereinbarten
    für alle gültigen Geschäftsgepflogenheiten zu halten. Selbst wenn es nicht um eine Lösung des Arbeitsverhältnisses gehen muß, so ist es zwingend für die Glaubwürdigkeit des Unternehmers, der Geschäftsleitung, hier eine Konsequenz aus der Aktion folgen zu lassen.
    Ich gehe selbstverständlich davon aus, dass die Urlaubsverlängerung ohne Absprache und ohne „lebensnotwendigen“ Grund erfolgte.
    Darüber hinaus hat natürlich jede Geschäftsführung die Möglichkeit der Abwägung, jeden Einzelfall zu prüfen.

  4. Der Skandal ist die Eigenmächtigkeit, d.h. die mangelnde Absprache.
    Absprachen sind heute problemlos möglich, selbst aus großer Entfernung.
    Zu Bachs Zeiten war das anders und relativ kostspielig. Zudem war es nicht so ungewöhnlich. Eine Reise verlief meistens mit einem zeitlich etwas weiter gefassten Ende.
    Würde heute jemand die Kommunikation mit seinem Unternehmen abbrechen und von der Bildfläche verschwinden, offenbart das soziale und emotionale Defizite oder eine Absicht, fristlos herausgeworfen zu werden. Die Fristlose ist dann kaum zu vermeiden. Delikat könnte es lediglich bei einem „Kopf“ aus der Abteilung F&E werden 😉
    Übrigens hat es Goethe doller getrieben als Bach. Der Geheimrath und Minister hat sich buchstäblich über Nacht aus Weimar davon gestohlen, um sich selbst eine 18 monatige Urlaubsreise nach Italien zu genehmigen. Er reiste sogar die ganze Zeit unter falschem Namen. Rausgeworfen wurde er dafür aber lediglich von der Frau von Stein, die nach seiner Rückkehr Jahrzehnte lang nichts mehr von ihm wissen wollte …

  5. mir würde es darauf ankommen, mit welcher Haltung der Mitarbeiter zurückkommt. Mit der Arroganz, ich bin so gut, ich kann mir alles erlauben…dann würde ich ihm kündigen.
    Mit leuchtenen Augen, dass er wichtige Erfahrungen machen musste und dadurch gelassener, motivierter und effizienter arbeiten kann. In dem Fall würde ich ihm zu seinem Mut gratulieren und ihn bitten, auch in Firmenentscheidungen auf seine Intuition zu hören, unter der Bedingung, dass er übt, möglichst zeitnah und klar darüber zu kommunizieren.

  6. Ich glaube, der Fall zeigt eindeutig, dass man einem ausgezeichneten Mitarbeiter für seine im Urlaub vorgenommene Fortbildung schnellere Verkehrsmittel zur Verfügung stellen sollte, damit er das erworbene Wissen schneller wieder mit zurück bringt 😉

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