Jährliche Mitarbeitergespräche haben ausgedient (Hahaha!)


So zumindest die Überschrift eines Artikels, der durch XING verteilt wird. Die Mitarbeiter wünschen sich im digitalen Zeitalter eine Verlagerung der Verantwortung in die Teams (68 %) und flexible Organisationsstrukturen (77 %). Das ergab die Umfrage.

 

Wer meine Newsletter liest, erinnert sich:
Im Frühjahr 2016 gab es bei der Messe Personal-Nord in Hamburg eine „HR-Battle“ zum Thema Mitarbeitergespräche. Prof. Dr. Armin Trost hatte 20 Argumente, warum Mitarbeitergespräche passé sind. Ich hatte 20 Argumente, warum Mitarbeitergespräche unverzichtbar sind, und dazwischen stand eine Moderatorin.

 

Das Ganze ging also so:

Prof. Trost sagt: Mitarbeitergespräche sind überholt.

 

Ich sage: Ohne Mitarbeitergespräche wird es nie und nimmer eine A-Orientierung im Unternehmen geben.

 

Prof. Trost sagt: Mitarbeitergespräche liefern nicht die gewünschten Ergebnisse.

 

Ich sage: Mitarbeitergespräche produzieren die klarsten Ergebnisse auf dieser Welt. Es wird messbar, wo der Mitarbeiter steht, und was messbar ist, ist veränderbar.

 

So geht das 45 Minuten lang.

 

Zum Schluss kommt die Abstimmung: Die Moderatorin fragt: „Für wen voten Sie? Für Prof. Trost oder für Prof. Knoblauch?“

 

Sage und schreibe 95 % haben für Prof. Trost gestimmt und nur der bescheidene Rest von 5 % war für mich.

 

Seither bekomme ich nun eine Fülle von Zuschriften, die entweder die eine Seite oder die andere Seite unterstützen.

 

Zuschriften, die Prof. Trost stützen, lauten dann in etwa so:

 

  • „Zu viele der vorgeschriebenen und rituellen Zielvereinbarungsgespräche laufen als reine Pflichtveranstaltung.“

 

Oder:

  • „Für Konzerne gebe ich Herrn Prof. Trost im Großen und Ganzen Recht. Für den Mittelstand bin ich zu 200 % bei Herrn Knoblauch.“

 

Ein Unternehmer im Großraum München mit einer Hightech-Werkzeug-Produktion hat das Ganze jetzt einmal gründlich angepackt. Damals, kaum war der Newsletter mit der Frage nach Mitarbeitergesprächen verschickt, hat er mir mitten in der Nacht geschrieben: „Ich liege wach. Über mir der bayerische, wolkenlose Sternenhimmel, und ich kann nicht schlafen. Seit ich heute Abend den Newsletter gelesen habe, bin ich wie elektrisiert.“

 

Dieser Tage meldet er sich nun wieder zu Wort und sagt: „Ich habe einen Fragenkatalog an meine Mitarbeiter gegeben, und hier sind die Ergebnisse.“

 

Ich habe mir erlaubt, mal 5 Fragen und die dazugehörigen Antworten aus seinem Fragenkatalog herauszunehmen, weil sie zeigen, wie ein mittelständisches Unternehmen tickt.

 

  1. Hast du Angst vor einem persönlichen Gespräch?
    4 Personen sagen ja
    67 Personen sagen nein

 

  1. Wie wirkte die Geschäftsleitung bei diesem Gespräch auf dich?
    4 Personen sagen „aufgeregt“
    40 Personen sagen „locker und freundlich“
    23 Personen sagen „sachlich“
    0 Personen sagen „genervt“
    0 Personen sagen „desinteressiert“

 

  1. Fühlst du dich während dem Gespräch in der Lage, offen und ehrlich zu sprechen – ohne Sanktionen befürchten zu müssen?
    59 Personen sagen „Ja“
    9 Personen sagen „Nein“

 

  1. Würdest du es besser finden, wenn wir im Unternehmen bei den Mitarbeitern keine Ziele mehr verfolgen?
    7 Personen sagen „Ja“
    65 Personen sagen „Nein“

 

  1. Findest du, dass Zielvereinbarungen eine Art Sklaverei sind?
    3 Personen sagen „Ja“
    66 Personen sagen „Nein“

 

Das alles ist höchst spannend.

 

Woher kommt dann der Eindruck, dass wir mit Mitarbeitergesprächen und Zielvereinbarungen die Menschen ins Unglück stürzen?

 

  1. Wer Personaler fragt, wird ablehnende Antworten erhalten.
    Wer Unternehmer fragt, wird begeisterte Zustimmung ernten.
    (Bei der Personal-Nord waren hauptsächlich Personaler im Saal. Deshalb auch die harsche Kritik)

 

  1. Wer im Schwerpunkt B- und C-Mitarbeiter hat, wird Ablehnung erfahren.
    Wer im Schwerpunkt A-Mitarbeiter hat, wird Zustimmung erfahren.

 

Also, liebe Newsletter-Leser. Ich habe mich über eine Zuschrift sehr gefreut. Es ist eine ganze Seite, die mit dem Satz abschließt: „Kaffeetrinken kann ich auch mit meiner Frau, taugt aber nicht für HR-Bedürfnisse.“

Übrigens:
Bei der Messe „PersonalSüd“ spreche ich am 09. Mai 2017.
Praxisforum 3 – Halle 1
11:30 – 12:15 Uhr
Vortragsthema: Erfahrungen aus dem Silicon Valley – Wie die besten Firmen die besten Mitabeiter finden und binden


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24. November 2016 - Verfasst von Jörg Knoblauch

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