Mitarbeitergespräche – sind die noch zeitgemäß?


Was es nicht alles gibt! Neulich war ich bei einer Personaler-Messe und dort zu einer HR-Battle, also zu einem Rededuell zum Thema „Personal“ eingeladen. Was das ist? Nun, man nimmt 2 Professoren mit verschiedenen Meinungen, stellt einen links auf die Bühne, den anderen rechts und dazwischen einen Moderator. Dann geht es los. Der Moderator bringt ein paar Schlagworte, zu denen sich die Kontrahenten äußern.

Mein „Herausforderer“ bei dieser HR-Battle war Prof. Dr. Armin Trost, respektierter und bekannter Personalvordenker und leider ganz anderer Meinung als ich.

Mitarbeitergespraeche noch zeitgemaess
Jörg Knoblauch stellt sich bei der HR-Battle zum Thema „Sind Mitarbeitergespräche noch zeitgemäß?“

Mitarbeitergespräche – Der Schlagabtausch kurz dargestellt:

Prof. Trost:       Mitarbeitergespräche sind überholt.

Ich:                    Ohne Mitarbeitergespräche wirst du nie eine A-Orientierung ins Unternehmen kriegen.

 

Prof. Trost:       Mitarbeitergespräche liefern nicht die gewünschten Ergebnisse.

Ich:                    Mitarbeitergespräche produzieren die klarsten Ergebnisse der Welt. Es wird absolut messbar, wo der Mitarbeiter steht. Nur was messbar ist, ist veränderbar.

 

Prof. Trost:       Zielvereinbarungen sind Nahe an der Versklavung der Mitarbeiter.

Ich:                    Zielvereinbarungen begeistern Mitarbeiter und lassen ihn aufbrechen zu noch weiteren und höheren Zielen.

 

Prof. Trost:       Mitarbeitergespräche sind für Feedback nicht geeignet. Der Mitarbeiter erzählt irgendetwas, nur nicht die Wahrheit.

Ich:                    Idealer geht es nicht. Man sitzt dem Mitarbeiter gegenüber, hat ganz viel Zeit und kann alle Themen ansprechen, die auf dem Tisch liegen. Und wenn die Kultur halbwegs in Ordnung ist, dann passen doch Feedback und Leistungsbeurteilungen zusammen.

 

Prof. Trost:       Mitarbeitergespräche werden von HR und der GL angeordnet und können daher nicht ohne Druck stattfinden.

Ich:                    Gute Mitarbeiter wünschen sich Gespräche zur Weiterentwicklung und Feedback und sind stolz darauf, die Ergebnisse sogar für alle möglichst einsehbar zu gestalten.

 

Prof. Trost:       Kluge Mitarbeiter wissen das, um sich positiv darzustellen. Das bevorteilt extrovertierte Menschen.

Ich:                    Wir reden nicht darüber, wer sich am besten darstellen kann, sondern wir reden über Zielerreichung. Da ist es ziemlich egal, wie witzig oder charmant jemand ist, sondern es  kommt nur darauf an, was er geliefert hat.

 

So ging unser Duell um Mitarbeitergespräche eine dreiviertel Stunde lang. Aussage stand gegen Aussage, und zum Schluss gab es durch das Publikum eine Abstimmung.

 

Congratulations! The Winner is ….. Prof. Dr. Armin Trost!

Die Abstimmung ging ganz klar zu seinen Gunsten aus. Für ihn, der sagt: Lass uns lieber Kaffee trinken und miteinander reden …

Sage und schreibe 95 % haben für ihn gestimmt und sind offensichtlich nicht der Meinung, dass Mitarbeitergespräche wichtig sind, und nur der bescheidene Rest von 5 % voteten für mich. Was mich getröstet hat, ist die schlaue Moderatorin Anke Fabian. Sie sagte: „Ich kann es nicht fassen. Herr Knoblauch, ich stehe hinter Ihnen.“ (Das sagte sie aber nicht öffentlich, sondern privat.)

 

Versöhnlich für mich: Über Twitter erreichte mich diese Nachricht: „Ich war hin und hergerissen. Danke für gute Argumente auf beiden Seiten. Ich kann mich mit beidem anfreunden.“

 

Na, immerhin! Da bin ich doch froh!

 


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08. September 2016 - Verfasst von Jörg Knoblauch

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5 Antworten zu “Mitarbeitergespräche – sind die noch zeitgemäß?”

  1. Hallo Herr Knoblauch,

    Sie haben im Grunde beide recht! Mitarbeitergespräche, so wie sie heute häufig üblich sind entsprechen dem Bild welches Herr Trost zeichnet. Bestenfalls zweimal im Jahr wird sich zusammengesetzt und eine beliebige Matrix abgearbeitet. Die Ziele häufig vorgegeben anstatt vereinbart. Feedback als „Laberveranstaltung“ – Dabei kann man vielen Führungskräften gar keinen Vorwurf machen. Sie habe es nie anders erlebt, nie erlernt.

    Auf der anderen Seite Zielvereinbarungen die gemeinsam getroffen werden. Ehrliche und ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Mitarbeiter, klare Ziele und Kriterien. Dazu in jedem Quartal der Austausch zwischen Führungskraft und Mitarbeiter. Eben so wie Sie es propagieren und lehren. Das führt zu Zufriedenheit auf beiden Seiten.

    Und jetzt höre ich Sie schon rufen, die Führungskräfte: „Wann sollen wir das auch noch machen!“ – Führung benötigt Zeit! Wenn Sie keine Zeit für Führung haben, sind Sie dann Führungskraft?

  2. Tja, dann waren wohl nicht genügend A-Mitarbeiter vor Ort, weil Mitarbeitergespräche ein absolutes Muss sind. Ich vote für Jörg Knoblauch.

    Wir sind im Dienstleistungsbereich tätig und beschäftigen über 20 Mitarbeiter an 4 Standorten. Wir bieten Vertrauensarbeitszeit, die Möglichkeit bis zu 2x pro Woche im Homeoffice zu arbeiten. Ohne Zielvereinbarungen, ohne Mitarbeitergespräche, ohne die Einschätzung meiner Führungskräfte vor Ort hätte ich überhaupt keine Ahnung was meine Mitarbeiter tun, wer gut ist, wer nur Mist macht, etc. Meine Mitarbeiter lieben es bei uns zu arbeiten, weil Sie einerseits extreme Freiheiten haben und ihre Arbeit flexibel auf ihre Bedürfnisse abstimmen können, aber gleichzeitig genau wissen, was von ihnen erwartet wird, wie zufrieden wir mit ihrer Arbeit sind und in welcher Weise sie sich bei uns im Unternehmen weiter entwickeln können. Das muss alles strukturiert und stringent ablaufen alles andere wäre Chaos und Anarchie. Ich bin auch überzeugt, dass in unserer Konstellation alles andere zu einem Untergang des Unternehmens oder einer kompletten Überforderung meiner Person führen würde. Kaffeetrinken ohne Ziel und Plan kann ich mit meiner Frau taugt aber nicht für HR-Bedürfnisse.

  3. Unfassbares Ergebnis für mich. Es wäre interessant zu wissen, was das für Zuschauer waren. Auf die Unternehmenskultur kommt es an! Bei schlechter Kultur können auch die Mitarbeitergespräche nichts taugen. Für Konzerne gebe ich Hrn. Prof. Trost allerdings im Großteil Recht – für den Mittelstand bin ich zu 200% bei Hrn. Knoblauch.

  4. Der ambivalente Kommentar von Kai Baron überzeugt mich.

    Ob Mitarbeitergespräche gelingen oder für beide Seiten zu einer Pflichtveranstaltung verkommen, hängt maßgeblich von der Qualität von Führung ab. …Denn zu viele der vorgeschriebenen und rituellen Zielvereinbarungsgespräche laufen als reine Pflichtveranstaltung.

    Ein erfolgreiches Mitarbeitergespräch bedarf einer Führungskraft mit dem Willen und der Gewissheit etwas bewegen zu wollen / und zu können – einer Führungskraft mit der richtigen Einstellung zum Job, einer Führungskraft, die nicht nur für diesen Job-Titel trägt, sondern zusätzlich auch gelernt hat wie dieser Beruf wirklich funktioniert.

    Wenn wir erleben, dass 95% derzeit Mitarbeitergespräche für entbehrlich halten, zeigt dies doch anschaulich wie es um die aktuelle Qualität von Führung in unseren Unternehmen bestellt zu sein scheint – und andersherum – wie viel Potential zur Verbesserung hier augenscheinlich besteht.

    Dieses Verbesserungspotential ist ein Geschäftsmodel.
    Viele unserer Kollegen im Coaching und in der Beratung profitieren von dieser Situation
    Aber vor allem profitieren Sie – Sie im Unternehmen – von dieser externen Unterstützung.

    Das wirtschaftliche Potential durch verbesserte Führung beläuft sich auf hohe zweistellige Prozentwerte in der Renditesteigerung – in sehr vielen Unternehmen.

    Gute Führung redet hier konsequenterweise nur noch vom eindeutigen Wettbewerbsvorteil.
    Sie auch?

  5. Unfassbar ! Wer nicht regelmäßig mit seinen Mitarbeitern in fest terminierten Mitarbeitergesprächen spricht, bekommt doch nicht mit, wo eventuell der Schuh drückt. Ohne deren Wissen wäre ich weit vom Markt weg. Sie sind mein Stethoskop beim Kunden und haben mehr Hintergrundwissen als man denkt. Ich habe für die Gespräche einen Leitfaden als „Matrix“, der durchaus auch mal den einen oder anderen Punkt überspringt, weil im Gespräch bereits locker abgehandelt. Hier werden auch unsere Ziele formuliert und vereinbart. Meine Mitarbeiter schätzen es, wenn ich ihre Meinung einhole, sind hier aber auch bereit, sich berechtigter Kritik zu stellen. Wie Herr Möck bereits erwähnte, waren wahrscheinlich mehr B- Mitarbeiter vor Ort…..

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