Wenn die To-do-Liste immer länger wird …


Wer mich kennt, weiß, dass ich einen Teil meiner Zeit kostenlos für die Beratung christlicher Werke zur Verfügung stelle. Frei nach dem Motto: Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst sollt ihr …Dieser Tage war ich nun zu einer Krisensitzung bei einem großen christlichen Werk in den USA. Dieses Werk hat eine stolze Vergangenheit. Millionen Dollar wurden jährlich an Partnerorganisationen und für die Erfüllung des christlichen Auftrags investiert. Seit gut einem Jahr jedoch haben wir einen neuen Chef und eine Reihe neuer Mitarbeiter im Büro. Seither ist unser Konto dick im Minus und eigentlich sind wir pleite. In wenigen Monaten findet unser großer Jahreskongress statt, und wir haben noch nicht einmal alle Redner beieinander. Vorstandssitzungen laufen dann typischerweise so: Jede Menge Ideen, aber minimale Umsetzung. Die Protokolle schwammig und ohne das übliche „Wer, was, wo“? Jede Menge Geschichten, aber keine zielorientierte Vorgehensweise. Zahlen, Daten, Fakten sind Mangelware unter Hinweis auf das System, das solche Zahlen nicht hergibt.

Auf dem Weg zum Flugplatz hatte ich einen Vorstandskollegen auf dem Beifahrersitz, der noch einmal 20 Ideen hatte, was man alles anders und besser machen könnte. Ich habe nur müde gelächelt. Meine Erfahrung: Wenn die To-do-Liste mal länger als ein Meter ist, dann nützt es nichts, immer noch etwas Neues dranzufügen. Dann muss man ganz grundsätzlichere Fragen stellen und die könnten durchaus auch heißen: Wann wechseln wir Pferde und Kutscher, die den Karren ziehen?


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16. Februar 2010 - Verfasst von Jörg Knoblauch

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Eine Antwort zu “Wenn die To-do-Liste immer länger wird …”

  1. Guten Tag Herr Prof. Dr. Knoblauch, ja dieses Phänomen des wilden und oft ziellosen Aktionismus ist mir auch gut bekannt. Durch Erfahrungen im eigenen Unternehmen und aus Gesprächen mit Unternehmer Kollegen. Dazu fällt mir die folgende Weisheit der Dakota Indianer ein

    „Wenn das Pferd tot ist, steig ab“!

    In Unternehmen sehen die TOP 10 Notfallstrategien aber oft ganz anders aus:

    1. Wir besorgen eine stärkere Peitsche.
    2. Wir wechseln die Reiter.
    3. Wir sagen: „So haben wir das Pferd doch immer geritten“.
    4. Wir gründen einen Arbeitskreis
    5. Wir besuchen andere Orte, um zu sehen, wie man dort tote Pferde reitet.
    6. Wir ändern die Kriterien, die besagen, ob ein Pferd tot ist.
    7. Wir erklären: Kein Pferd kann so tot sein, dass man es nicht noch reiten könnte.
    8. Wir machen zusätzliche Mittel locker, um die Leistung des Pferdes zu erhöhen.
    9. Wir bilden einen Qualitätszirkel, für die Verwendung von toten Pferden
    10. Wir richten eine unabhängige Kostenstelle für tote Pferde ein.

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